Hedgefonds: Rating kann internationale
Regulierung
nicht ersetzen
17. Mai 2006 - Zum Vorschlag des Bundesbank-Vorstands Edgar Meister, Hedge-Fonds durch Rating-Agenturen zu kontrollieren, erklärt Dr. Gerhard Schick, Mitglied im Finanzausschuss:
Wir begrüßen den Vorschlag aus der Bundesbank, der eine Antwort auf die wachsenden Risiken für die Finanzmarktstabilität gibt. Der Vorschlag darf aber nicht dazu verleiten, nicht weiter an verbindlichen staatlichen Regeln für Hedge-Fonds zu arbeiten. Wir fordern die Bundesregierung deshalb auf, beide Wege zu mehr Finanzmarktstabilität bei Hedge-Fonds parallel zu gehen: die Prüfung durch Rating-Agenturen auf internationaler Ebene und die Einführung einer Regulierung für Hedge-Fonds in der Europäischen Union. Konkret sollte die Möglichkeit genutzt werden, im Rahmen der so genannten OGAW-Richtlinie eine Regulierung für Hedge-Fonds einzuführen, die bislang fehlt. In diesem Zusammenhang sollte beispielsweise die Meldepflicht für Leerverkäufe eingeführt werden.
Die Risiken bei Hedge-Fonds entstehen dadurch, dass das Volumen derAnlage in Fonds, die mit einer starken Hebelwirkung arbeiten, starkangewachsen ist. Können Zahlungsverpflichtungen nicht eingelöst werden, drohen wie 1998 beim LCTM-Fonds Auswirkungen auf das gesamte Weltfinanzsystem.
Rating-Agenturen können die Lücke füllen, die wegen der fehlenden staatlichen Aufsicht über Hedge-Fonds existiert, und darüber hinaus eine höhere Transparenz am Markt erreichen. Investoren können dann ihr eindividuellen Risiken besser einschätzen. Damit leisten sie aber nur einen Teil der notwendigen Aufgabe bei der Reduzierung der Risiken. Dennsie haben im Unterschied zur Finanzmarktaufsicht keine Eingriffsmöglichkeiten. Im Zusammenhang mit der Asienkrise kamen außerdem Zweifel auf, ob sie die Risiken angemessen einschätzen.